Michael Nubers CD-Aufnahmen - zu Klang und Gestaltung

Michael Nuber auf JAW-Records - Anmerkungen zu Aufnahmetechnik und zum Klavierklang

 

Als Produzent von JAW-Records freue ich mich, Ihnen das seelenvolle und berührende Spiel des Pianisten Michael Nuber umfangreich und in einem natürlichen Klangbild auf CD zugänglich machen zu können. Das Wort "natürlich" ist dabei der Betonung Wert, da auf vielen CD-Aufnahmen auf dem Markt für den aufmerksamen Hörer, besonders den erfahrenen Konzertbesucher,  nicht den realen Klang des Instruments Klavier erkennen lassen.


Die Sensibilität des Hörens


Dazu hier ein kleiner Exkurs, weil durch eine Sensibilisierung für die "Unarten" der Aufnahmetechnik Sie vielleicht besser die Besonderheiten der JAW-Records Klavieraufnahmen mit Michael Nuber wertschätzen können. Vergleichendes Hören ist dabei hilfreich und möglicherweise haben Sie ja ein paar der hier angesprochenen "schwarzen Schafe", da ich besonders berühmte und bekannte CDs benenne.  Das das von der Interpretation her wunderbare Aufnahmen sind muss ich dabei nicht betonen - ich spreche ja nur vom auf den CDs hörbaren Klavierklang.


Die beklagenswerten Mängel gelten besonders für Einspielungen aus der digitalen Zeit (z.B. der Beethoven-Zyklus mit András Schiff - im Klang verfärbt und mit der Unklarheit, was direkter Klang und was Raumklang ist), aber auch für misslungenen Digital-Masterings von analogen und sehr alten Aufnahmen (z.B. der EMI Beethoven-Zyklus mit Arthur Schnabel, dem das erdig-farbig Charakteristische des Bösendorfers in der Mitte weggenommen wurde, um ihn klanglich auf "luftig-neu" zu trimmen).

Aus Gründen schlechten Remasterings seitens der EMI, Warner und auch anderen Labels habe ich auch von manchen älteren Aufnahmen selbst LP-to-CD-Transfers vorgenommen - z.B. vom Beethoven-Zyklus mit Schnabel (siehe die auf den Fotos unten abgebildeten zwei 4CD-Boxen in grün und blau) Überspielungen der optimal gelungenen Transfers von Kenneth Hardwick. Der klangliche Unterschied zu den Abbey-Road Masterings von 2016 ist frappant.


- Methoden der Verfälschung -


Durch Filterungen in der Höhe und besonders im Mittenbereich wird oft ein sehr heller Klang mit wenig Substanz erzeugt, der die Wärme und die Physis des Instruments vermissen lässt. Die Dynamik wird ebenfalls nicht belassen sondern komprimiert - also der Lautstärke-Pegel mehr oder weniger stark nivelliert. Zudem wird auch oft mit zusätzlichem künstlichem Hall gearbeitet, der grade im Sensiblen des Anschlags eine Pauschalität erzeugt, die den Hörer im Unklaren lässt, in welcher Entfernung das Instrument nun zu hören ist.  So entsteht oftmals ein aufdringlicher Klang mit unterschwelligem unangenehmen Druck, der schwer oder gar nicht im Raum zu orten ist.


- "Aufnahme-Philosophien" -


Ein eher sympathisches Beispiel für ein Eingreifen anderer Art sind die Friedrich Gulda Aufnahmen bei Label MPS, die der Aufnahmeleiter H.G. Brunner-Schwer aufgenommen hat (Bach WK 1+2, Beethoven Diabelli-Variationen, Debussy 24 Preludes u.a.).  Dessen Philosophie war, den Klang in ganz geringem Abstand zur Seite abzunehmen. Diese Aufnahmen klingen nicht komprimiert oder gefiltert, aber wer hält schon dem Kopf in den Klavierkorpus um zu lauschen? Auf diese Art kann sich der Klang auch nicht entspannt entfalten, was ja im Raum auch über den Resonanzboden geschieht. 

Auch die hier abgebildeten superben Neuüberspielungen der faszinierenden Einspielungen Guldas geben dem Hörer letztlich das Gefühl, dass er bei jedem angeschlagenen Ton den Hammer, der die Seite anschlägt, aufs Ohr bekommt. Diese Projekte haben aber auch ihren klanglichen Charme (denn sie betonen das "Jazzige" in Guldas Spiel) und man könnte auch sagen, dass sich mit Gulda und Brunner-Schwer zwei "Narrische" gefunden haben - vielleicht ja wie Michael Nuber und sein Produzent ... ;-)

Kurz und gut: es gibt viele Dinge, die man beim Aufnehmen falsch machen oder zumindest sehr seltsam gestalten kann - was dann gern mit dem Ehrfurcht einflößenden Ausdruck "Aufnahmephilosophie" etikettiert wird. Und viele Hörer haben sich sicherlich an diese Verfremdungen oder Kuriositäten im Klang gewöhnt und mögen vielleicht bei den Aufnahmen mit Michael Nuber überrascht oder sogar verschreckt sein, wie direkt und nah ein Klavier klingen kann und wie massiv es im Forte auch attackieren kann.


JAW-Records - Gegebenheiten der Aufnahmesituation optimal nutzen


Die JAW-Aufnahmen mit Michael Nuber klingen zum Teil sehr unterschiedlich: manche trocken nah, andere ferner mit einigem Raumklang - manche quasi massiver, andere elegant luftiger. Oftmals liegen die Gründe dafür darin, dass einige verschiedene Instrumente zum Einsatz kamen und zudem in unterschiedlichen Räumen und Sälen aufgenommen wurde.

 

- Wechselwirkungen -


Diese Unterschiedlichkeit des Klangs ist durchaus bewusst in Kauf genommen - was eigentlich keinen Kompromiss bedeutet, sondern ein Ausdruck dafür ist, dass jedes Instrument und auch jeder Raum(!) seinen eigenen klang hat und ein guter Musiker eben diese unterschiedlichen Parameter bewusst oder unbewusst in sein Spiel mit einfließen lässt.

Ein Raum mit viel Akustik (Raumklang, Hall) wird den Pianisten wegen Durchhörbarkeit vielleicht eher etwas gemäßigtere Tempi entlocken und die Artikulation kürzer spielen lassen als in einem trockenen kleineren Raum.

Auch der Frequenzbereich des Instruments klingt in einem "dunkleren" Saal anders als in einem helleren. Ersterer wird vielleicht weniger Basseinsatz fordert, zweiterer eher mehr.

Und dann klingen die Instrumente natürlich auch noch per se sehr unterschiedlich. Manche Klavier klingen im Diskant stumpf oder glasig oder es gibt einen Bruch in den Registern zwischen Bass, Mittenbereich und Diskant, welchen es möglichst zu kaschieren gilt.

Und noch ein Aspekt: Für den Musiker macht es meist einen fundamentaler Unterschied, ob er allein für sich bzw. das Mikrophon oder ob er für ein Publikum spielt.  Auch die Art der Spannung, dass etwas nur einmal erklingen kann hat einen Einfluss auf das Spiel.

Raumakustik, Aufnahmesituation (Studio oder Live-Konzerte), Eigenheiten des Instruments u.a. bilden dabei eine sehr vielschichtige Einheit und stehen in direkter Wechselwirkung mit der Interpretation des Künstlers.


Alchemie einer Aufnahme

 

Nicht modischer „Schönklang“ ist das angestrebte Ziel der JAW-Records Aufnahmen, sondern eine möglichst getreue Abbildung der musikalischen Botschaft in stimmiger Übertragung - besser: „Übersetzung“ auf das „Kunst-Produkt CD“.


In diesem Satz stecken Aspekte einer Konstellation, die in der hörbaren Umsetzung oder Wandlung vom erzeugten Klang im Raum (der mitgeschnittenen Aufnahme) zum reproduzierten Klang (über CD-Spieler im Wohnzimmer)  durchaus eine "Alchemie" erfordert. Dazu erst ein provokanter Satz:


Beim Musizieren dreht sich um das Schaffen (Nachschaffen oder Erschaffen?) der äußeren und inneren Gestalt und des Wesenhaften eines Werks, um dessen Charakter, Aussage oder manchmal sogar Botschaft. Diese zu erkennen, zu erspüren, zu begreifen und auszudrücken ist die Kunst des Musikers. Aber auch der Tonmeister und Aufnahmeleiter und Nachbearbeiter für die CD (im Falle JAW-Records alles in Personalunion mit dem Produzenten) sollte in dem Nachspüren und Verständnis diesen Inhalt dann auf dem Tonträger hörbar machen bzw. erhalten.


- Wandlung / Transformation -


Diese "Wandlung" oder Transformation vom einmal gehörten einmaligen verklingenden Klangerlebnis in Echtzeit in einem großen Raum, der einen umhüllt auf einem Instrument mit der Fülle an Dynamik - auf eine  dynamisch schwächere CD, die in einem kleineren und meist akustisch trockneren Raum von vorne gehört wird samt der Stimmigkeit der Musik (z.B. Spannungspausen in einem Musiksatz im Saal und auf CD werden manchmal unterschiedlich wahrgenommen) und instrumentalen Technik (welchen Fehler lässt man stehen, welchen bessert man aus) des Musikers, wie hoch ist die Grunddynamik, wo gilt es u.U. dynamisch einzugreifen:

DAS alles gilt es in einem Prozess der Wahrnehmung, des Hörens und immer wieder Hörens, bis etwas im Tontechniker einen "Plan", kreative Lösungen für Probleme findet oder einen gesamtklanglichen Ansatz. Vieles ist an "Richtung" schon durch die Mikrophon-Aufstellung eingeschlagen und antizipierende Intuition wichtig: Wie ist der Raum, welche Art von Stücke werden gespielt? Manchmal ist auch ein Wechsel der Mikrophonierung zwischen klanglich sehr unterschiedlichen Stücken hilfreich. Und nicht zuletzt ist da natürlich die Absprache mit dem Musiker, ob er und wieweit er die Wege des schöpferisch mitgestaltenden Technikers  mitträgt.


Michaels Nubers und meine Klangvorstellungen


In der Anfangsphase unserer Zusammenarbeit (2006) haben Michael Nuber und ich uns erst einmal in einem Prozess der Annäherung finden müssen. Im Prinzip waren wir beide der Meinung, dass die größte Kraft und Aussage in CDs steckt, wenn möglichst wenig nach dem Aufnahmevorgang "manipuliert", also nachbearbeitet wird.  Ebenso waren wir einer Meinung, dass möglichst wenig geschnitten werden und Werksätze im Hauptgerüst möglichst aus einem einzigen Take bestehen sollten, in dem bei nötigem Bedarf etwas ersetzt wird.


Was das Schneiden anbetrifft so macht der Pianist nach intensivem Probehören der ungeschnittenen Rohfassung mir sehr konstruktive Vorschläge. So ist die Integrität der künstlerischen Intention am klarsten gewahrt. Das ist wohl eine große Seltenheit im Aufnahmebetrieb, denn wann sind im klassischen Bereich schon Künstler an der Postproduktion ihrer Aufnahmen  überhaupt beteiligt ...


Was den Einsatz von Frequenzweichen oder Reverb (Hall) angeht, war Michael Nuber von Beginn an strickt dagegen. Ich war da offener und neugieriger und habe am Anfangs für mich selbst quasi zweigleisig experimentiert. Aber tatsächlich habe ich beide Arten der Manipulation - bis auf ein zwei Ausnahmen, in denen ich aus klanglichen Gründen minimale Modifikationen vorgenommen habe - dann völlig sein lassen. der Hauptgrund war die Erkenntnis, dass z.B. der Einsatz von minimalen Hall dem Anschlag ein wenig der Klarheit und Charakteristik nimmt.  Und genau diese Ungetrübtheit in der Feinheit macht den Unterschied der JAW-Records Aufnahmen Michael Nubers zu vielen der großen Major-Labels.


Die Klangcharakteristik der JAW-Records


JAW-Records präsentiert Ihnen CDs in ungewohnt direktem Klangbild. Fernab der Ästhetik vieler heutiger Aufnahmen wird ausschließlich der Raumklang der Aufnahmelokalität verwendet und bewusst kein „brillanter“ Klang erzwungen. So bleiben die charakteristischen instrumentalen Klangfarben und feinste Anschlagsnuancen des Pianisten erhalten.

 

Genießen Sie es, der Musik ungestört (auf den Live-Aufnahmen sind quasi wenige bis gar keine Publikumsgeräusche zu hören) so nah sein zu können, wie es Ihnen im Konzertsaal kaum möglich ist!


 

 Joachim Wagner  (Produzent)


Mehr zu Thema Michael Nuber bei JAW-Records auf der Unterseite   MN - CDs Übersicht & Projekt JAW-Rec


JAW-Records - Anmerkungen zu Covergestaltung der JAW-Records CDs

Seit mindestens 70 Jahren ist die Gestaltung der Schallplattenverpackung (LP-Hülle, CD-Booklet) über die reine Information zum Inhalt hinaus ein sehr beachteter Punkt des "Gesamtkunstwerks" eines Albums. Wie wichtig diese Cover-Art geworden ist zeigt sich darin, dass bei Wiederveröffentlichungen von älteren und historischen Aufnahmen meist die originale Hüllengestaltung  (in der Auswahl aus Alternativen, z.B. der unterschiedlichen Länder der VÖs) verwendet wird  - durchaus auf Wunsch der Musik-Kenner.


Cover-Geschichte


Die ersten zwei Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg wurden zur Gestaltung von den Labels Aufträge an bildende Künstler vergeben, welche oft in verschiedensten Mal- oder Zeichentechniken entweder dekorativ grafisch - oft mit klaren Linien und Farbfeldern - gearbeitet haben oder versucht haben, etwas des konkreten Themas von Musikstücken oder des Seelischen Inhalts bzw. der Stimmung auf die Hülle zu bannen.

Es folgten fotografische Cover, welche zu Beginn teilweise ebenfalls einfallsreich und manchmal auch künstlerisch waren folgte gegen Ende der analogen und zu beginn der digitalen Aufnahmen Jahren von stereotypen Fotos der Interpreten - damit auch der letzte Klassikhörer wusste, wie z.B. die Dirigenten Karajan oder Böhm aktuell aussehen :-)

Zum Glück gibt es mittlerweile wieder anspruchsvollere Covergestaltungen, die versuchen eine Einheit zwischen Inhalt und Optik zu erreichen oder diesbezüglich zumindest ein provokantes Spannungsfeld aufzubauen.


JAW-Records


Auch JAW-Records möchte die Tradition eines eigenen optischen Profils pflegen und dabei zudem auch an historische Strömungen der Gestaltungsgeschichte erinnern - zumindest hie und da als Reverenz oder mit einem Augenzwinkern. Nach einer ersten optisch doch eher nüchternen Serie mit sehr einheitlich gestalteten Covers (Wiedererkennungs-Effekt) mit einem farblich unterschiedlichen Rand mit unauffälligen Inhalten (Komponisten-Portraits oder MN-Portrait) wurde in einem zweiten Anlauf eine Gestaltung in drei sehr unterschiedlichen Ansätzen verfolgt.


22 CDs zieren Bilder (alle in leichten bis sehr starken Ausschnitten) des Kunstmalers Otto Wagners. Vier der Bilder (Bach1+2, Mussorgsky, Debussy3) werden in extremen Ausschnitten gezeigt und zwei weitere in meiner eigenen kreativen Umgestaltung (Schubert Winterreise mit in das Gemälde eingefügten an die Winterreise angelehnte Texten, Skrjabin in Umgestaltung als expressives Nachtbild).


Für 9 CDs hat der Pianist selbst Fotos beigesteuert, welche ich hauptsächlich in der Wahl der Ausschnitte bearbeitet und eines davon (Chopin Nocturnes) völlig als Nachtbild in extremen Ausschnitt umgestaltet habe.


10 Coverfotos stammen von mir selbst. 


Die 12 CDs des Beethoven-Zyklus erinnert noch an die erste Gestaltungsreihe der CDs  - einerseits als Reverenz an die Anfänge, andererseits um das Zyklische zu betonen.



Joachim Wagner (Produzent und Gestaltung)

CD-Cover mit Bildern des Kunstmalers Otto Wagner

 

Einige der CD-Cover von JAW-Records zieren Zeichnungen, Aquarelle und Ölgemälde meines Vaters, des Kunstmalers Otto Wagner (1913-83) - in vollständigen Ansichten, Ausschnitten oder Details. Der professionelle Maler lernte 1946-47 beim stark vom Spät-Impressionismus und den Fauves beeinflussten ungarischen Maler Pécsi-Pilch. Otto Wagner selbst war kein Impressionist, aber dennoch zauberte er magische Lichtstimmungen. Die tief empfundenen Odenwald-, Berg- oder Voralpenlandbilder haben oft das Seelenhafte eines Portraits - samt „stillen Abgründen“ ...

Besuchen Sie bei näherem Interesse auf meiner Website hier die umfangreiche Unterseite OTTO WAGNER mit ca. 150 Reproduktionen seiner Werke.

CD-Cover mit Fotografien des Pianisten Michael Nuber


Eine weitere optisch besonders gestaltet Reihe bei JAW-Records verwendet Naturfotografien Michael Nubers. Der Konzertpianist ist ein begeisterter Wanderer in den Bergen und die Natur ist ihm auch Kraftort. Eine Reihe seiner Bilder steckt voller Symmetrien - durch Spiegelungen besonders diejenigen, welche Wasser zeigen.

CD-Cover mit Fotografien und Bilbearbeitungen des Produzenten Joachim Wagner


Mein "künstlerischer" Anteil an den CD-Covers ist ziemlich umfassend, weil ich sowohl Michaels Fotos mehr oder weniger in Ausschnitt, Kontrast und sogar Aussage (Chopin Nocturnes) bearbeitet habe und ebenso auch die Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen meines Vaters oftmals in sehr subjektiven Ausschnitten zeige.

Meine eigenen Beiträge sind neben einer massiven Bearbeitung eines Bergbildes meines Vaters (quasi eine Nacht-Vision) Detailaufnahmen aus Natur und von Gegenständen, oft aus innerer Sichtweise.